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Wie geht es weiter?

Fragen und Antworten zur Neuausrichtung der Friesland Kliniken

 

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Wie finanzieren sich die Friesland Kliniken und wer kommt für Investitionen auf?

Die Finanzierung der Krankenhäuser teilen sich seit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz von 1972 die Bundesländer und die gesetzlichen Krankenkassen. Deshalb spricht man auch von einer „dualen Finanzierung“.  So sollen die Investitionskosten wie Neubauten oder neue Geräte durch die Bundesländer finanziert werden. Sie sind ebenso dafür zuständig, die flächendeckende stationäre Versorgung zu sichern. Die Kosten des laufenden Betriebs – also alle Behandlungskosten – bezahlen die Krankenkassen. Diese Kosten werden seit 2020 über eine Kombination von Fallpauschalen und einer Pflegepersonalkostenvergütung finanziert. Krankenhäuser bekommen zur Deckung angefallener Betriebskosten pro Patienten oder Patientin einen pauschalen Betrag von der Krankenkasse, die sogenannte Fallpauschale. Die Preise von Krankenhausleistungen verhandeln die Kassen jedes Jahr auf Landesebene mit den Krankenhausgesellschaften.

Die Krankenhausreform sieht insbesondere eine veränderte Finanzierungssystematik vor sowie die Einführung sogenannter Leistungsgruppen, die die Planungsbehörden der Länder zuweisen. Das Land Niedersachsen hat in Vorausschau auf diese Reform bereits eine eigene Neuausrichtung der Krankenhauslandschaft beschlossen, die seit 1. Januar 2023 in Kraft ist: https://www.ms.niedersachsen.de/Krankenhausreform/informationen-zur-krankenhausreform-in-niedersachsen-222262.html

Gesetzlich sind die Länder dazu verpflichtet, die Investitionskosten ihrer Krankenhäuser zu finanzieren. Die Investitionen der Bundesländer in die Krankenhausfinanzierung gehen jedoch seit Jahren zurück. So sank die Investitionsquote von 25 Prozent im Jahr 1972 auf nur noch ca. 3 Prozent im Jahr 2020. Mehr Informationen zur Krankenhausfinanzierung erhalten Sie hier:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/krankenhausfinanzierung

https://www.gkv-spitzenverband.de/gkv_spitzenverband/presse/fokus/krankenhausfinanzierung/thema_krankenhausfinanzierung.jsp

 

Bleibt das St. Johannes-Hospital in Varel erhalten?

Ja, das St. Johannes-Hospital bleibt am Standort in Varel bestehen. Und es wird weiterentwickelt – dieser Prozess erfolgt nun Schritt für Schritt und die Umsetzung kann somit rund 1 bis 2 Jahre andauern. Das heißt, die bekannten medizinischen Leistungen bleiben zunächst bestehen. 

In den nächsten Jahren wird dann das St. Johannes-Hospital in ein sektorenübergreifendes Krankenhaus mit einem zentralen ambulanten OP-Zentrum (aOPZ) für den gesamten Landkreis sowie Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Versorgungsauftrag für Friesland und die Wesermarsch weiterentwickelt. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung vor Ort ist weiterhin gesichert. Niemand muss Sorge haben, dass er seinen Arbeitsplatz verliert oder keine medizinische Hilfe mehr in Varel findet. Es geht hier nicht um Schließung, sondern um Zukunftsfähigkeit. Dafür müssen wir Veränderungen vornehmen, die keine Unterversorgung der Bevölkerung zur Folge haben, sondern Angebote an den Standorten Varel und Sande konzentrieren.

 

Warum braucht es eine Reform der Friesland Kliniken gGmbH?

Ein Strukturwandel ist jetzt erforderlich geworden. Denn die geplante Krankenhausreform der Bundesregierung und die Einführung von sogenannten Leistungsgruppen, die durch die Planungsbehörden der Länder zugewiesen werden, sowie die auf Landesebene bereits beschlossene Neuausrichtung der Krankenhäuser machen dies nötig.

Unter den heutigen finanziellen und gesundheitspolitischen Bedingungen müssen wir unsere Kliniken und die Versorgung der Menschen in der Region krisenfest gestalten – und dabei die finanziellen Ressourcen beachten. So können wir die Standorte in Varel und Sande sichern.

Mehr zur Neuausrichtung der Niedersächsischen Krankenhauslandschaft finden Sie hier: https://www.ms.niedersachsen.de/Krankenhausreform/informationen-zur-krankenhausreform-in-niedersachsen-222262.html

Fragen und Antworten der Bundesregierung zur Krankenhausreform sind hier erhältlich: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenhaus/krankenhausreform/faq-krankenhausreform

 

Wer verantwortet die Reform? Wie ist der zeitliche Ablauf?

Aufgrund der erforderlichen Maßnahmen (siehe „Warum“) wurde die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft pwc als unabhängiger Dritter beauftragt, ein Sanierungsgutachten für die Friesland Kliniken zu entwickeln und dem Aufsichtsrat vorzulegen. Nach Prüfung verschiedener Szenarien hat der Aufsichtsrat am 14. Dezember 2023 dem daraus hervorgegangenen medizinischen Zukunftskonzept zugestimmt. Der Kreistag hat dieses Konzept in seiner Sitzung am 20. Dezember 2023 ebenfalls mit einem positiven Votum mit ¾-Mehrheit beschlossen. Seit Anfang des Jahres bis Ende Februar 2024 klären nun ärztliche wie pflegerische Beschäftigte in Facharbeitsgruppen in den einzelnen Abteilungen die medizinischen Fragen und die Umsetzbarkeit des Vorhabens. Das Ergebnis wird anschließend dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung vorgelegt.

Für das Kommunikations- und Transformationsmanagement in diesem Prozess wird externe Unterstützung in Anspruch genommen. Alle Mitarbeitenden sowie die Bürgerinnen und Bürger der Region werden gebeten, sich wechselseitig tatkräftig zu unterstützen. Auch Politik und Öffentlichkeit sind gefordert, den Blick nicht zurück, sondern nach vorne zu richten, um eine Arbeitsumgebung zu schaffen, in der Neues entstehen kann.

Der Aufsichtsrat und die Gesellschafterversammlung sowie die Bürgerinnen und Bürger und die Mitarbeitenden werden fortlaufend über den Prozess informiert.

Diese Weiterentwicklung erfolgt Schritt für Schritt und der Prozess der Umsetzung benötigt Zeit, so dass dies rund 1 bis 2 Jahre dauern kann.

 

Wie sieht das Zukunftskonzept konkret aus?

Der Beschluss sieht vor, dass das St. Johannes-Hospital in ein sektorenübergreifendes Krankenhaus mit einem zentralen ambulanten OP-Zentrum (aOPZ) für den gesamten Landkreis sowie Gynäkologie und Geburtshilfe mit dem Versorgungsauftrag für Friesland und die Wesermarsch entwickelt wird. Für den Bereich der Notfallversorgung sollen moderne standortübergreifende innovative Konzepte ausgearbeitet werden, die eine Behandlung von Notfallpatienten 24/7 ermöglichen.

Weiterhin wird geplant, das ambulante Operationszentrum für die Region dort zu lokalisieren. Die Intensivstation und Intermediate Care werden verkleinert und zusammengelegt. Damit können akute Notfälle beherrscht sowie auch Patientinnen und Patienten mit postoperativen Problemen nach ambulanter Operation überwacht werden. Die Notaufnahme wurde in eine Notfallambulanz umgewandelt, in der werktäglich eine fachärztliche chirurgische und internistische Anwesenheit in einem Kernzeitraum von 8.00 bis 16:30 Uhr vorgehalten wird. Außerhalb dieser Zeiten ist die Notfallambulanz mit Notfallpflegekräften besetzt, die Notfallpatienten triagieren, in telemedizinischer Rücksprache mit dem Standort Sande ggf. weitere Diagnostik planen oder aber die Weiterleitung in die Notaufnahme am Standort Sande veranlassen.

Damit wird der Standort Varel ein großes ambulantes Zentrum mit 24/7 Notfallambulanz plus der akutstationären überregionalen gynäkologischen/geburtshilflichen Abteilung.
Alle übrigen Fachabteilungen werden bettenführend am Standort Sande vorgehalten werden.

 

Was bedeutet das für die Bürgerinnen und Bürger in der Region?

Die Sicherung der medizinischen Versorgung der Bürgerinnen und Bürger der Region sowie die Garantie der Arbeitsplätze der Mitarbeitenden stehen an erster Stelle. Das bedeutet: Jede und Jeder wird auch in Zukunft die medizinischen Leistungen erhalten, die benötigt werden. Auch ändert sich in den Kliniken selbst und der Versorgungslandschaft vorerst noch nichts: Ab jetzt gehen erst einmal die weiteren Planungen voran. Das bedeutet, die Umsetzung erfolgt Schritt für Schritt und die Weiterentwicklung wird dann in den nächsten rund 1 bis 2 Jahren erfolgen.

Die Menschen in der Region dürfen sich sicher sein, dass die Veränderungen letztlich effizientere Strukturen, sichere Arbeitsplätze und eine gute Gesundheitsversorgung mit sich bringen werden. Dafür setzen wir uns in diesem Transformationsprozess ein. Alle Entscheidungen, die getroffen werden, zahlen letztlich auf die Wahrung und Sicherung der Versorgung der Menschen in der Region ein. Dabei werden vermutlich nicht immer die Wünsche jedes und jeder Einzelnen berücksichtigt werden können. Doch hier geht es um das Wohl der Gemeinschaft und nicht den Willen des Einzelnen. Wir bitten alle Menschen der Region, diesen Prozess aktiv zu unterstützen, damit die Friesland Kliniken sich gesund entwickeln und als moderner Gesundheitsdienstleister Versorgung für die Menschen garantieren können.

 

Was bedeutet das für die Mitarbeitenden der Kliniken?

Es besteht eine Arbeitsplatzgarantie für alle Beschäftigten und es wird keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Die Tariftreue ist sichergestellt.

Neben den bereits bekannten Änderungen wird es zudem keine weiteren unwiderruflichen Änderungen geben – sondern aktuell gehen die weiteren Planungen voran. Die Fusion des St. Johannes-Hospitals in Varel mit dem Nordwest-Krankenhaus in Sanderbusch ist zwar vor Jahren erfolgt, doch bisher sind die beiden Kliniken weder strukturell noch kulturell richtig zusammengewachsen. Die stärkere Konzentration von komplexen Behandlungen und das Anpassen der Strukturen sind ein wichtiger und längst überfälliger Schritt für die Zukunftsfähigkeit als regionaler Versorger in Friesland. Den Weg dorthin werden die Verantwortlichen gemeinsam mit den Mitarbeitenden Schritt für Schritt erarbeiten.

 

Wie steht die Klinikleitung zu dem Konzept?

Die stärkere Konzentration von komplexen Behandlungen und das Anpassen der Strukturen sind ein wichtiger und längst überfälliger Schritt für unsere Zukunftsfähigkeit als regionaler Versorger in Friesland. Den Weg dorthin wollen wir gemeinsam mit allen Beteiligten Schritt für Schritt erarbeiten.

Wir sind überzeugt davon, dass die Transformation der Friesland Kliniken zu sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtungen für die Region sowie die Ausweitung der ambulanten Patientenversorgung im St. Johannes-Hospital richtig ist, um den Herausforderungen der anstehenden Krankenhausreform als Friesland Kliniken erfolgreich zu begegnen. Es ist nachvollziehbar, dass nicht jeder Mitarbeitende unser Vorhaben begrüßt und Veränderungen Angst und Sorgen hervorrufen. Doch sie sind angesichts der gesetzlichen Vorgaben, die auf uns zukommen, und des zweistelligen Millionendefizits, das wir zurzeit verbuchen, unvermeidlich.

Gemeinsam wollen wir dafür sorgen, dass Arbeitsplätze erhalten und die medizinische Versorgung der Menschen in Friesland gesichert bleiben. Indem wir uns konstruktiv, offen und lösungsorientiert austauschen – mit Loyalität und Respekt, mit Besonnenheit und dem Bewusstsein, dass wir nur erfolgreich sein können, wenn wir an einem Strang ziehen, werden wir diese Herausforderung meistern.

 

Warum wird nicht versucht, die internistische Fachabteilung, die am 22.12.23 geschlossen wurde, weiter aufrechtzuerhalten?

Die Frage der Zukunft der Inneren Abteilung ist eng verbunden mit der Gesamtstrategie zur Neuausrichtung der Friesland Kliniken in Zusammenhang mit den Erfordernissen durch die anstehende Krankenhausreform der Bundesregierung. Die vom Bund geforderte Bündelung von Kompetenzen sowie der herrschende Fachkräftemangel vor Ort machen es sinnvoll, die Fachabteilung von Varel nach Sande zu verlagern. Eine Aufrechterhaltung am Standort Varel wäre wirtschaftlich fahrlässig und auch nicht im Sinne der Krankenhausreform. Fachliches Know-how bleibt vor Ort durch die enge Zusammenarbeit der Kolleginnen und Kollegen beider Häuser erhalten.

 

Was ist eine Leistungsgruppe?

Zukünftig soll die Krankenhausplanung bundesweit nicht mehr grob nach Fachabteilungen erfolgen, sondern es soll eine differenzierte Planung nach Leistungsgruppen geben. Basis dafür sind die bereits fortgeschrittenen Überlegungen aus NRW. Hier wurden 60 Leistungsgruppen definiert. Das BMG hat noch weitere 5 Leistungsgruppen definiert, sodass bundesweit zukünftig die Krankenhausplanung 65 Leistungsgruppen umfassen wird.

Für jede Leistungsgruppe sind dabei Strukturvoraussetzungen und Kriterien definiert, die erfüllt werden müssen, damit die Leistungsgruppe zugewiesen werden kann. Die Erfüllung wird durch den Medizinischen Dienst geprüft. Für die Zuweisung zuständig ist das jeweilige Landesministerium.

Um die bislang in den beiden Standorten der Friesland Kliniken erbrachten Behandlungsleistungen auch zukünftig erbringen zu dürfen, ist es zwingend notwendig, Leistungen und Personal mit gewissen Qualifikationen an einem Standort zu konzentrieren. Ansonsten werden die Friesland Kliniken diese Leistungsgruppe vom Land nicht zugewiesen bekommen können.

Mehr zur Krankenhausreform der Bundesregierung und zu den Ausprägungen wie Leistungsgruppen finden Sie hier:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenhaus/krankenhausreform/faq-krankenhausreform

 

Gibt es noch eine Notaufnahme?

Die Zentrale Notaufnahme des St. Johannes-Hospitals in Varel ist 24/7 für fußläufige Patientinnen und Patienten mit Verletzungen jeglicher Art oder bei Arbeitsunfällen und gynäkologischen / geburtshilflichen Fragestellungen erreichbar.

Die Kliniken für Unfallchirurgie und Gynäkologie / Geburtshilfe stehen hier mit ihrer Expertise zur Verfügung.

Für Liegendtransporte mit dem Ziel Unfall- und Allgemeinchirurgie sowie Gynäkologie / Geburtshilfe kann die Zentrale Notaufnahme wie bisher auch weiterhin 24/7 angefahren werden.

Fußläufige Personen mit einer Fragestellung aus dem Fachbereich der Inneren Medizin können zudem montags bis freitags von 8:00 bis 16:30 Uhr in der Zentralen Notaufnahme angenommen werden.

Nach 16:30 Uhr sowie an Wochenenden und Feiertagen ist eine Behandlung für Patientinnen und Patienten der Inneren Medizin in der Zentralen Notaufnahme nicht möglich. In diesem Zeitraum werden die Personen gebeten, sich an die Interdisziplinäre Notaufnahme des Nordwest-Krankenhauses Sanderbusch in Sande oder an die Notaufnahmen der umliegenden Krankenhäuser zu wenden.

Weiterhin werden Möglichkeiten geprüft, um auch die internistische Versorgung von fußläufigen Patientinnen und Patienten wieder 24/7 herzustellen. Die Friesland Kliniken informieren, sobald es dazu weitere Informationen gibt.

 

Welche Abteilungen gibt es jetzt in Varel nicht mehr?

Die stationäre Innere Medizin gibt es in Varel nicht mehr. Alle anderen bekannten Fachabteilungen bleiben zunächst wie bekannt bestehen. Eine Übersicht ist verfügbar unter https://krankenhaus-varel.de/

Die Umsetzung des Zukunftskonzeptes erfolgt jetzt Schritt für Schritt und die Weiterentwicklung wird dann in den nächsten rund 1 bis 2 Jahren erfolgen.

 

Gibt es denn ausreichend Kapazität für die Rettungswagen, wenn diese nicht mehr nach Varel können?

Ja, dies ist sichergestellt. Leitstelle und Rettungsdienst waren rechtzeitig informiert und haben sich auf die geänderte Situation eingestellt. Bei Bedarf können und werden auch weitere Rettungswagen in das südliche Kreisgebiet verlegt.

Zudem ist bereits der Bau einer modernen Rettungswache am St. Johannes-Hospital beschlossen worden. Die Planung beginnt 2024, so dass ein Baubeginn 2025 möglich ist.

 

Stand: 15. Februar 2024