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Jesusgebet – Herzensgebet

Einladung zur Meditation

Wenn Sie eine ganz einfache Weise zu beten suchen und die Stille schätzen, sind Sie bei einer Hinführung zum Jesusgebet herzlich willkommen.

Das Jesusgebet ist eine frühchristliche Weise des Betens, die heute neu entdeckt wird. Dieses Gebet führt über Wahrnehmung des gegenwärtigen Augenblickes, Bilder, Gedanken und Vorstellungen werden immer wieder losgelassen, um so zu einem einfachen Dasein in der Gegenwart Gottes zu kommen. Auf diesem Weg ist der Name Jesus Christus und in ihm seine ganze Person Halt und Ausrichtung. 
Seine Ursprünge reichen bis in die Tradition der Mönche und Wüstenväter des 4. Jahrhundert zurück. Es hat sich von den orthodoxen Klöstern des Sinai (Katharinenkloster) und des Berges Athos in Griechenland im orthodoxen Mönchtum und vor allem in der russisch-orthodoxen Kirche verbreitet.

Wichtige Elemente des Jesusgebetes sind uns eigentlich vertraut, denn aus der christlichen Frühtradition stammt unser Eingangsgebet im Gottesdienst "Kyrie eleison, Herr, erbarme Dich," dieses Gebet gilt als eine frühe Form des Jesusgebetes.
Für das Jesusgebet sind im Laufe der Entwicklung mehrere Textvariationen gepflegt worden.

Die Praxis des Jesusgebetes ist einfach und fordert dennoch Entschiedenheit und Beharrlichkeit. Die Grundeinsicht aller kontemplativen Gebetsweisen besagt: Gott ist immer da. Gott ist ewige Gegenwart. Aber wir sind nicht da. Wir sind zerstreut, sind mit Sorgen, Plänen in der Vergangenheit und kreisen oftmals um uns selbst.
Deswegen beginnt diese Art zu beten mit Übungen die uns helfen, "da zu sein", im Hier und Jetzt, die Gegenwart wahrzunehmen. Die Gedanken los zulassen, immer wieder neu!! Ohne Bild und Vorstellungen.

Meine Erfahrungen mit dem Jesusgebet nach dem Jesuiten Franz Jalics haben mich tiefer geführt in eine Christusbeziehung. Diese Art zu beten möchte ich mit Ihnen gemeinsam ein wenig teilen.

Es geht nicht darum, den Namen mit irgendwelchen Bildern und Gefühlen zu verbinden. Das ruhige Aussprechen des Namens "reinigt" ihn vielmehr vom Wust religiöser Vorstellungen. Es geht darum, den Namen Jesus Christus (auf Deutsch: "Gott rettet" und "Der Gesalbte") als Gebet zu verstehen, in dem alles gesagt ist, was zu unserem Heil nötig ist.

Paulus sagt: "Kein anderer Name unter dem Himmel ist den Menschen gegeben, durch den sie gerettet werden können." Indem ich beim eigenen Atem und bei seinem Namen verweile, nehme ich gleichzeitig mich selbst als lebendiges Geschöpf Gottes an – und Jesus als Quelle meines Heils. Meine Sorgen, Gedanken, Erinnerungen und Pläne können zur Ruhe kommen. Ich kann da sein vor meinem Gott, der uns in Jesus Christus seine Zuwendung bekundet hat.

Kontemplativ beten bedeutet, nichts mehr erreichen zu wollen, sondern sich loszulassen in Gottes Hand. Die Zeit, in der ich versuche, vor Gott da zu sein, schenke ich ihm. Bei einem Schweigekurs mit dem Jesusgebet können das vier bis acht Stunden täglich sein, die ich in der stillen Anrufung verweile. Diese Zeit entzieht sich meiner Verfügung. Ich bin bereit, das, was Gott mir zumutet oder schenkt, zu empfangen.

Oft löst die Stille Körperschmerzen aus. Verdrängte Gefühle kommen ans Licht. Zur Kontemplation gehört die Leidensbereitschaft: Ich lasse auch die dunklen Gefühle, Zeiten der Zerstreuung, Ängste und Schmerzen zu und überlasse Gott die Heilung. Viele, die so beten, erleben, dass in der Stille innere Wunden aufbrechen – und heilen. Viele erleben, dass sie allmählich fähig werden, sich von innen heraus mit sich selbst und mit ihren Mitmenschen zu versöhnen.

Das Jesusgebet vermittelt eine besondere Begegnung mit dem dreieinigen Gott. Ich begegne dem Schöpfer durch meinen Leib und durch meinen Atem. Ich begegne dem Erlöser im Namen Jesu Christi. Und ich begegne dem Heiligen Geist in der Gemeinschaft der Suchenden und Glaubenden, die mit mir zusammen beten, die zusammen mit mir unterwegs sind zu Gott, die sich nach Kontakt und Heilung sehnen.